Neue wissenschaftliche Studien geben Aufschluss darüber, warum Herzinfarkte, die nachts auftreten, oft weniger schwerwiegend sind als solche in den frühen Morgenstunden. Laut einer im „Journal of Experimental Medicine“ veröffentlichten Studie steht diese Veränderung in direktem Zusammenhang mit der Aktivität von Neutrophilen, einer Art weißer Blutkörperchen, die eine Schlüsselrolle bei der Entzündungsreaktion des Körpers spielen.
Aufgrund des zirkadianen Rhythmus, der „biologischen Uhr“, die die Körperfunktionen reguliert, sind Neutrophile tagsüber aktiver. Während eines Herzinfarkts reparieren diese Zellen den Schaden, übertreiben es aber oft und verursachen massive Entzündungen, die auch gesundes Herzgewebe schädigen. Forscher haben herausgefunden, dass fast die Hälfte der Schäden am Herzen nach einem Infarkt auf diese übermäßige Entzündung zurückzuführen ist.
Die Analyse der Daten Tausender Patienten in Spanien ergab, dass nächtliche Herzinfarkte mit weniger Schäden einhergehen, da Neutrophile weniger aggressiv sind. Anschließend bestätigten die Forscher, dass Herzinfarkte in den frühen Morgenstunden bei Mäusen ebenso wie beim Menschen zu größeren Schäden am Herzen führen, und zwar gerade aufgrund der erhöhten Aktivität der Neutrophilen zu dieser Tageszeit.
Die Wissenschaftler testeten auch ein experimentelles Molekül, ATI2341, das eine Verbindung nachahmt, die unser Körper nachts auf natürliche Weise produziert. Es zielt auf einen Rezeptor auf der Oberfläche von Neutrophilen ab und verändert das zelluläre Verhalten weißer Blutkörperchen, wodurch sie in einen weniger aktiven Zustand versetzt werden.
Dadurch können Entzündungen reguliert werden, ohne das Immunsystem zu beeinträchtigen. Laut den Studienautoren schützte die Blockierung des zirkadianen Rhythmus der Neutrophilen nicht nur das Herz der Mäuse, sondern verbesserte auch ihre Reaktion auf bestimmte Krankheitserreger und reduzierte andere schädliche Entzündungsprozesse.
Die Erkenntnisse könnten den Weg für neue Therapien ebnen, um innere Organe vor Schäden durch übermäßige Entzündungen zu schützen.
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