Albaniens KI-Fassade bricht, während Nachbarn EU-Gelder gewinnen

Albaniens KI-Fassade bricht, während Nachbarn EU-Gelder gewinnen


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Tirana Times, 10. Februar 2026 – Serbien und Nordmazedonien haben sich konkrete Mittel der Europäischen Union gesichert, um sich in Europas neu entstehende Infrastruktur für künstliche Intelligenz zu integrieren, während Albanien – trotz öffentlichkeitswirksamer politischer Botschaften zum Thema KI – von der ersten Welle finanzierter Projekte ausgeschlossen blieb.

Laut der neuesten von der Europäischen Kommission veröffentlichten Karte und Projektliste gehören Serbien und Nordmazedonien zu den Nutznießern des neuen EU-Netzwerks von KI-Fabrikantennen, die als nationale Tore zum europäischen KI- und Supercomputing-Ökosystem dienen. Albanien gehört derzeit nicht zu den geförderten Ländern, obwohl es im Juni 2025 offiziell dem Gemeinsamen Unternehmen EuroHPC beigetreten ist.

Serbien hat EU-Mittel in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro für das SAIFA-Projekt erhalten, eine nationale Fabrikantenne für künstliche Intelligenz, die öffentlichen Institutionen, Universitäten, Start-ups und der Industrie Zugang zu Hochleistungsrechnerressourcen, KI-Entwicklungstools, Datensätzen und technischem Fachwissen bieten soll. Das Projekt soll als Teil des größeren europäischen AI-Factory-Netzwerks funktionieren und mit großen KI-Zentren in Griechenland und Italien verbunden sein, sodass serbische Entwickler und Forscher KI-Lösungen auf europäischer Ebene testen und skalieren können.

Nordmazedonien hat unterdessen das Projekt „Vezilka“, sein nationales KI-Zentrum, mit einem Gesamtbudget von rund 6 Millionen Euro gestartet. Das Projekt wird von der EU über Horizon Europe und EuroHPC sowie von nationalen Fördermitteln und lokalen Partnern kofinanziert. Ziel ist es, Universitäten, öffentliche Institutionen und die Industrie mit dem europäischen KI-Ökosystem zu verbinden und über regionale KI-Fabriken Zugang zu Supercomputern und gemeinsamen europäischen Datensätzen zu bieten.

In beiden Fällen zielen die Projekte darauf ab, Start-ups, KMU und wissenschaftlichen Forschungsgemeinschaften fortschrittliche Rechenleistung zur Verfügung zu stellen, Ressourcen, die sonst nur großen globalen Technologieunternehmen zugänglich bleiben würden.

Die Abwesenheit Albaniens bei dieser ersten Finanzierungsrunde ist politisch und symbolisch bedeutsam. In den letzten Monaten erlangte die Regierung internationale Aufmerksamkeit, indem sie sich durch die Ernennung eines sogenannten Ministers für künstliche Intelligenz, der öffentlich unter dem Namen „Diella“ verkörpert wird, als globaler Außenseiter brandmarkte. Mit diesem Schritt gelang es, die Berichterstattung internationaler Medien auf sich zu ziehen und Albanien als einen der ersten Anwender in der KI-Governance-Debatte darzustellen.

Allerdings hat sich die Realität hinter diesem sorgfältig konstruierten Bild inzwischen enträtselt. Anstatt die institutionelle Bereitschaft oder strategische Kapazität im Bereich der künstlichen Intelligenz zu signalisieren, scheint die „Diella“-Erzählung zunehmend als Fassade fungiert zu haben. Als diese Fassade Risse bekam, offenbarte sie tiefere strukturelle Probleme innerhalb des digitalen Governance-Rahmens des Staates. Untersuchungen und Berichte haben gezeigt, dass hinter dem öffentlichen KI-Branding ein zutiefst kompromittiertes institutionelles Umfeld stand, einschließlich Behauptungen, dass die Nationale Agentur für Informationsgesellschaft, AKSHI, effektiv von einer strukturierten kriminellen Gruppe übernommen und kontrolliert wurde.

Dieser Kontrast zwischen Image und Substanz trägt dazu bei, das Versäumnis Albaniens zu erklären, politische Botschaften in eine konkrete Beteiligung an den KI-Infrastrukturprogrammen der EU umzusetzen. Die Mitgliedschaft bei EuroHPC bietet formellen Zugang zum europäischen Supercomputing-Rahmenwerk, schaltet jedoch nicht automatisch Finanzmittel frei. Die Teilnahme an KI-Fabriken und -Antennen erfordert ein glaubwürdiges Projektdesign, nationale Kofinanzierung, institutionelle Integrität und technische Governance-Kapazität – Bereiche, in denen Albanien nachweislich zu kurz gekommen ist.

Auf europäischer Ebene sind KI-Fabriken und -Antennen Teil eines umfassenderen strategischen Vorstoßes zum Aufbau eines KI-Ökosystems, das auf Infrastruktur und nicht auf Symbolik basiert. Zwischen 2021 und 2027 werden die EU-Investitionen in Supercomputing und KI-Infrastruktur durch EuroHPC und damit verbundene Programme voraussichtlich rund 10 Milliarden Euro erreichen. Darüber hinaus zielt die InvestAI-Initiative darauf ab, bis zu 200 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten KI-Investitionen zu mobilisieren, darunter riesige KI-„Gigafabriken“, die die Wettbewerbsfähigkeit Europas gegenüber den Vereinigten Staaten und China sichern sollen.

Vor diesem Hintergrund ist der Ausschluss Albaniens mehr als eine verpasste Chance. Es verdeutlicht die wachsende Kluft zwischen politischem Spektakel und politischer Umsetzung sowie zwischen internationalen Botschaften und inländischen Regierungsrealitäten. Da sich die Nachbarländer im europäischen KI-Rückgrat verankern, besteht die Gefahr, dass Albanien an den Rand der digitalen Transformation des Kontinents gedrängt wird, wenn es den Fassadenaufbau nicht durch glaubwürdige Institutionen, Transparenz und strategische Kapazität ersetzt.

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