Wenn Sie beim Blick in den klaren blauen Himmel schon einmal kleine helle Punkte gesehen haben, die sich schnell und unregelmäßig bewegen, können Ihnen die Wissenschaftler versichern, dass Sie weder Insekten noch Staub gesehen haben.
Aber es handelt sich um ein völlig normales Sehphänomen, das laut „IFL Science“ als Blue Field Entoptic Phenomenon oder Scheerer-Phänomen bekannt ist.
Dieses Phänomen wurde erstmals 1924 vom deutschen Augenarzt Richard Scheerer entdeckt und wird seit Jahrzehnten in der Augenheilkunde untersucht.
Das Phänomen tritt auf, wenn wir auf eine sehr helle und gleichmäßige Oberfläche blicken, beispielsweise auf einen wolkenlosen Himmel, Schnee oder einen hell erleuchteten Bildschirm.
Unter diesen Bedingungen sehen manche Menschen kleine weiße oder helle Punkte, die sich schnell bewegen, oft in Zick-Zack-Flugbahnen.
Die Erklärung liegt in der Netzhaut, der Schicht des Auges, die Licht einfängt.
In seinen Kapillaren zirkulieren ständig rote und weiße Blutkörperchen.
Rote Blutkörperchen absorbieren dank Hämoglobin mehr blaues Licht, während weiße Blutkörperchen diese Funktion nicht erfüllen.
Wenn ein weißes Blutkörperchen eine Kapillare passiert, erzeugt es daher einen kleinen Kontrast zum Hintergrund und wird als heller, sich bewegender Punkt wahrgenommen.
Wissenschaftler erklären, dass unser Gehirn diese Signale normalerweise filtert und uns nicht erlaubt, sie wahrzunehmen.
Wenn wir jedoch auf einen blauen und sehr hellen Hintergrund blicken, beispielsweise den Himmel an einem sonnigen Tag, werden diese Zellen für einige Momente sichtbar.
Experten betonen, dass das Phänomen völlig normal sei und kein Zeichen einer Krankheit sei.
Im Gegenteil: Es zeigt, dass die Netzhaut und der Blutkreislauf in ihr normal funktionieren.
Dieses Phänomen sollte nicht mit den sogenannten „Floatern“ verwechselt werden.
Letztere sind Flecken oder Fäden, die durch Veränderungen im Glaskörper des Auges entstehen und überall auftreten können.
Das Scheerer-Phänomen hingegen tritt nur auf, wenn man auf sehr helle Oberflächen blickt, und steht in direktem Zusammenhang mit der Bewegung der weißen Blutkörperchen in den Kapillaren der Netzhaut.
Augenärzte nutzen dieses Phänomen sogar in der klinischen Praxis.
Es gibt einen Test namens „Blue Field Entoptoskop“, der die Wahrnehmung dieser Punkte nutzt, um die Blutzirkulation in der Netzhaut und die Funktion ihrer mikroskopischen Gefäße zu beurteilen.
Was das Phänomen noch interessanter macht, ist die Tatsache, dass es einer der seltenen Fälle ist, in denen ein Mensch ohne medizinische Ausrüstung einen biologischen Prozess sehen kann, der in seinem Körper abläuft.
Für einige Sekunden ist es möglich, weiße Blutkörperchen wahrzunehmen, wie sie sich in den mikroskopisch kleinen Gefäßen der Netzhaut bewegen – ein Detail, das das Gehirn normalerweise vor unserem Bewusstsein verbirgt.
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