Der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran hat den bislang größten Schock für die Ölversorgung weltweit verursacht. Und 90 % der Hersteller in Deutschland spüren diese Auswirkungen bereits.
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran lässt die Weltwirtschaft schrumpfen. Die Energiekosten steigen stark. Lieferketten brechen auseinander. Und von Energierechnungen bis hin zu Lebensmitteln müssen Verbraucher in nur einem Monat mit Preiserhöhungen rechnen.
Die Internationale Energieagentur sagt, der Konflikt habe „die größte jemals verzeichnete Versorgungsstörung in der Geschichte des Weltölmarkts“ verursacht. Außerdem wird durch die Blockade der Straße von Hormus die Versorgung mit chemischen Düngemitteln unterbrochen, wodurch die Preise seit Januar um 30–40 % steigen.
Überall auf der Welt zeichnen sich Anzeichen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ab. Erhebliche Störungen bei der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasversorgung haben die Kosten insbesondere für Energieimportländer in die Höhe getrieben.
Deutschland: Warnung der Hersteller
Und in großen produzierenden Volkswirtschaften wie Deutschland haben die Hersteller Alarm geschlagen. Timo Wollmershäuser, Ökonom am IFO-Institut, sagt: „Die größten Unsicherheiten hängen mit dem weiteren Verlauf des Konflikts mit dem Iran zusammen. Sollte der Krieg eskalieren oder sich verlängern, würden höhere Energiepreise die Erholung in Deutschland weiter behindern, Lieferketten könnten gestört werden und die Finanzmärkte könnten noch stärker in Turbulenzen geraten.“
In einer aktuellen Umfrage des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung wurden deutsche Hersteller gefragt: Sind Sie besorgt über den Iran-Krieg? Die Antwort war fast einstimmig: 90 % der Hersteller bereiten sich auf die Auswirkungen dieses Krieges vor. Weil sie diese Auswirkungen bereits spüren.
78 % der befragten Unternehmen gaben an, dass sie mit steigenden Energiepreisen konfrontiert sind. 36 % sind mit blockierten Transportwegen und Rohstoffmangel konfrontiert. Und 24 % erwarten einen Rückgang der Exportnachfrage.
Nicht nur Lieferketten
Nicht nur die Lieferketten stehen unter Druck, sondern das gesamte Finanzsystem rund um die Produktion. Die wichtigsten deutschen Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 % gesenkt, weniger als die Hälfte der Vorjahresprognose.
Die Inflation erreichte im März 2,7 %, den höchsten Stand seit zwei Jahren. Und die Bundesbank warnt davor, dass der Prozentsatz noch weiter steigen könnte.
Inflation und finanzielle Risiken
Darüber hinaus befürchten Unternehmen finanzielle Risiken, höhere Versicherungsprämien und volatile Frachtkosten. Ökonomen erwarten in diesem Jahr weltweit immer noch ein Wachstum von knapp 3 %, die Inflation in den G20-Ländern könnte jedoch 4 % erreichen. Auch wenn der Konflikt geografisch begrenzt ist, sind die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar./dw
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