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Albanien gehörte trotz seiner NATO-Mitgliedschaft zu den schwachen oder scheiternden Staaten
Tirana, Tirana Times, 14. Januar 2026 – Die Entscheidung Washingtons, die Bearbeitung von US-Visa für Albanien mit Wirkung zum 21. Januar und auf unbestimmte Zeit auszusetzen, ist eines der stärksten diplomatischen Signale seit Jahren an Tirana. Albanien wurde in eine Liste von 75 Ländern aufgenommen, deren Bürger ihre Visumanträge nicht mehr im Rahmen der öffentlichen Gebührenbestimmung bearbeiten lassen, die sich an Antragsteller richtet, die auf öffentliche Unterstützung in den Vereinigten Staaten angewiesen sein könnten. Inmitten vieler schwacher oder scheiternder Staaten ist die Bearbeitung von US-Visa auch für Albanien, ein NATO-Mitglied und EU-Beitrittskandidaten, ausgesetzt.
Fox News berichtet, dass ein internes Memo des Außenministeriums Konsularbeamte anweist, die Visumbearbeitung für Länder einzufrieren, in denen ein hoher Prozentsatz der Migranten in US-Sozialprogramme gelandet ist. Diese Maßnahme, die Teil der umfassenderen politischen Ausrichtung von America Erste ist, reiht Albanien in eine Reihe von Staaten ein, die mit struktureller Instabilität, schlechter Regierungsführung und schwerwiegenden sozioökonomischen Schwachstellen konfrontiert sind.
Ein hochrangiger Experte des Albanischen Instituts für Internationale Studien erklärte gegenüber der Tirana Times, dass die Entscheidung zutiefst entmutigend und äußerst alarmierend sei und betonte, dass die Liste viele schwache oder dysfunktionale Staaten enthalte. Doch Washington hat Albanien in die gleiche Kategorie eingeordnet, obwohl Albanien NATO-Mitglied ist und formell eine EU-Mitgliedschaft anstrebt, während Serbien von dieser Maßnahme nicht betroffen ist. Der Experte fügte hinzu, dass es die Vereinigten Staaten waren, die stark auf den Beitritt Albaniens zur NATO drängten, aber heute kann ein NATO-Mitglied, das der EU beitreten möchte, nicht erklären, warum es dort zu einer Massenauswanderung und einer nahezu Entvölkerung kommt.
Das Ausmaß der Auswanderung ist für die Einschätzung der USA von zentraler Bedeutung. Allein in den letzten zehn Jahren hat Albanien mindestens 800.000 Menschen verloren, die nicht nur in EU-Länder, sondern zunehmend auch in die USA ausgewandert sind. Dieser dramatische Bevölkerungsrückgang hat zusammen mit Arbeitskräftemangel, wirtschaftlicher Stagnation und Abhängigkeit von Überweisungen Albaniens internationales Ansehen erheblich geschädigt. AIIS-Experten betonen, dass die US-Entscheidung die Albaner nicht als Einzelpersonen ins Visier nimmt, sondern eine tiefe Besorgnis über die Regierungsführung widerspiegelt. Albanien war einst ein Land, in dem die USA Hilfsprogramme für albanische Staatsbürger bereitstellten, die sich legal in Amerika aufhielten. Der Übergang von der Unterstützung zur Einschränkung signalisiert eine Verschlechterung der Bewertung der inneren Stabilität und institutionellen Leistung Albaniens.
Die regionale Dimension erhöht das Gewicht zusätzlich. Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Kosovo und Nordmazedonien sind ebenfalls von der Aussetzung betroffen, Serbien jedoch trotz seines eigenen Migrationsdrucks nicht. Dieses Versäumnis dürfte Fragen aufwerfen und eine politische Debatte provozieren. Für Albanien ist die Symbolik besonders deutlich: Ein NATO-Verbündeter wird genauso behandelt wie fragile und scheiternde Staaten.
Diese Entscheidung ist keine bürokratische Formsache. Es ist eine politische Warnung. Es stellt die Glaubwürdigkeit, Wirksamkeit und Ausrichtung der albanischen Regierung in Frage. Für ein Land, dessen strategische Ausrichtung stark auf seiner engen Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten beruht, sollte diese Entwicklung als ernster Alarm betrachtet werden, der dringende Überlegungen und sinnvolle Reformen erfordert.
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