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Daten der Bank von Albanien zeigen, dass Österreich im ersten Quartal an der Spitze der ausländischen Investitionsströme stand, während Immobilien und Bau weiterhin das FDI-Modell Albaniens prägen.
Tirana Times 25. Juni 2026 – Mit diesen Zahlen liegt Österreich vor einigen der traditionell dominierenden Investitionspartner Albaniens, darunter Italien, die Niederlande und die Türkei. Die Daten deuten jedoch auch auf einen umfassenderen strukturellen Trend in der Landschaft ausländischer Direktinvestitionen in Albanien hin: die wachsende Bedeutung von Immobilien und baubezogenem Kapital bei der Gestaltung des FDI-Profils des Landes.
Österreichische Investitionen in Albanien konzentrierten sich in der Vergangenheit auf Versicherungen, Energie, Gastgewerbe und Bauwesen. Bisher wurde in diesem Jahr kein größeres neues österreichisches Geschäftsprojekt öffentlich gemeldet, was darauf hindeutet, dass der starke Anstieg der Ströme im ersten Quartal mit der Entwicklung von Immobilien, dem Tourismus oder reinvestierten Gewinnen in bestehende Sektoren zusammenhängen könnte.
Zum Ende des ersten Quartals belief sich der Bestand österreichischer Investitionen in Albanien auf 992 Millionen Euro, 11 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Italien, einer der wichtigsten historischen Wirtschaftspartner Albaniens, belegte im ersten Quartal mit 49 Millionen Euro an Neuinvestitionen den zweiten Platz. Die italienischen Investitionen stiegen im Jahresvergleich um 9 Prozent. Der Bestand italienischer Investitionen in Albanien beläuft sich nun auf 1,92 Milliarden Euro, ein Anstieg von 16 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2025.
Das italienische Kapital ist nach wie vor breit auf mehrere Sektoren verteilt, insbesondere auf den Dienstleistungssektor. Marktberichte deuten auch darauf hin, dass italienische Bürger weiterhin eine wichtige Rolle auf dem albanischen Immobilienmarkt spielen, insbesondere in Küstengebieten und in Tirana, wo Immobilieninvestitionen zu einem der sichtbarsten Ausdrucksformen ausländischer Kapitalzuflüsse geworden sind.
Die Niederlande, die in den letzten Jahren die FDI-Statistik Albaniens dominierten, fielen bei den Neuinvestitionsströmen mit 48 Millionen Euro im ersten Quartal auf den dritten Platz zurück, was einem Rückgang von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Allerdings sind die Niederlande mit 2,83 Milliarden Euro, was einer jährlichen Steigerung von 12 Prozent entspricht, nach wie vor Albaniens größter ausländischer Investor.
Der niederländische Fall erfordert eine sorgfältigere Lektüre. Echte niederländische Investoren gab es in Albanien relativ selten. Das bedeutendste Unternehmen war Shell, das große Ölexplorationsinvestitionen im Shpirag-Gebiet durchführte, bevor es sich Ende 2024 zurückzog. Der große niederländische FDI-Bestand wird daher weithin als Ausdruck der Rolle der Niederlande als bevorzugte Jurisdiktion für Holdinggesellschaften verstanden, die von internationalen Unternehmensgruppen zur Strukturierung von Investitionen genutzt werden.
Die Niederlande sind aufgrund ihres umfangreichen Netzwerks an Doppelbesteuerungsabkommen und ihres günstigen rechtlichen und steuerlichen Umfelds für Holdinggesellschaften für solche Unternehmensstrukturen attraktiv. Daher bedeutet eine in den Niederlanden registrierte Investition nicht zwangsläufig, dass die niederländische Kapitalquelle letztendlich ist.
Die Türkei belegte im ersten Quartal den vierten Platz mit 47 Millionen Euro an Neuinvestitionen, was einem Rückgang von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der Bestand an türkischen Investitionen erreichte 1,47 Milliarden Euro, ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach dem Ausstieg türkischer Unternehmen aus dem Telekommunikationssektor behalten türkische Investoren weiterhin eine wichtige Präsenz in den Bereichen Finanzen, Energie, Rohstoffindustrie und anderen strategischen Sektoren.
Auch in Albanien setzte Kosovo seinen Aufwärtstrend bei den Investitionen fort. Die neuen Investitionsströme aus dem Kosovo erreichten im ersten Quartal 32 Millionen Euro, ein Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bestand an Kosovo-Investitionen stieg auf 620 Millionen Euro, was einem starken jährlichen Anstieg von 41 Prozent entspricht.
Die Investitionen des Kosovo in Albanien sind in den letzten Jahren stetig gestiegen und konzentrieren sich weiterhin hauptsächlich auf Handel und Dienstleistungen. Sein Aufstieg ist auch politisch und wirtschaftlich bedeutsam und spiegelt die zunehmende Integration des Wirtschaftsraums Albanien-Kosovo trotz des Fehlens eines voll entwickelten gemeinsamen Marktes wider.
Die Daten des ersten Quartals bestätigen, dass Albanien weiterhin ausländisches Kapital aus einer relativ vielfältigen Ländergruppe anzieht. Sie werfen aber auch wichtige Fragen zur Qualität, Transparenz und langfristigen Entwicklungswirkung dieser Investitionen auf.
Die Dominanz von Immobilien-, Bau- und Holdingstrukturen in den FDI-Statistiken bedeutet, dass sich die Gesamtinvestitionszahlen nicht immer in einer breit angelegten wirtschaftlichen Modernisierung, einer höheren Produktivität oder einer stärkeren Exportkapazität niederschlagen. Während ausländische Investitionen weiterhin wichtig für das Wachstum sind, besteht die Herausforderung Albaniens darin, mehr Kapital in Sektoren zu locken, die Technologietransfer, qualifizierte Arbeitsplätze, industrielle Modernisierung und nachhaltige Entwicklung schaffen.
Die Daten der Bank von Albanien zeigen vorerst einen starken Jahresauftakt hinsichtlich der Zuflüsse ausländischer Investitionen. Die tiefere Frage ist jedoch, ob sich das FDI-Modell Albaniens in Richtung einer produktiveren und transparenteren Struktur entwickelt
oder ob es weiterhin stark von Immobilien, Dienstleistungen und undurchsichtigen Kapitalkanälen abhängig bleibt.
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