Die italienische Regierung hat ein neues Dekret zur künstlichen Intelligenz verabschiedet und damit erstmals einen klaren Regulierungsrahmen für deren Einsatz in sensiblen Bereichen wie öffentliche Sicherheit, Justiz und Bildung geschaffen.
Die neuen Maßnahmen wurden vom Ministerrat genehmigt und zielen darauf ab, die italienischen Institutionen an die rasanten technologischen Entwicklungen anzupassen und gleichzeitig Beschränkungen und Garantien für den Schutz der Bürgerrechte festzulegen.
Innenminister Matteo Piantedosi betonte, dass künstliche Intelligenz auch von den Strafverfolgungsbehörden eingesetzt werde, versicherte jedoch, dass die Technologie nicht in ein Instrument der Massenüberwachung umgewandelt werde.
„Das wird kein Big Brother“, erklärte er und betonte, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz mit dem Schutz der Privatsphäre und der Achtung der Grundrechte der Bürger vereinbar sein müsse.
Eine der wichtigsten Neuerungen des Dekrets besteht darin, dass erstmals die Verwendung biometrischer Daten bei strafrechtlichen Ermittlungen und der Kriminalprävention ermöglicht wird. Laut Piantedos wird dies nur in Ausnahmefällen und angesichts schwerwiegender und konkreter Bedrohungen möglich sein.
Künstliche Intelligenz kann beispielsweise bei terroristischen Bedrohungen oder bei der Suche nach Flüchtigen eingesetzt werden. Allerdings muss jede Verwendung dieser Werkzeuge auf Antrag der Polizeibehörden von einem Ermittlungsrichter genehmigt werden.
Das Dekret sieht außerdem die Schaffung eines neuen Straftatbestands für Personen vor, die Sicherheitsmaßnahmen von Systemen der künstlichen Intelligenz entwerfen, manipulieren oder vernachlässigen, sofern diese Handlungen eine konkrete Gefahr für das Leben und die Sicherheit von Menschen oder für die Sicherheit des Staates darstellen.
Justizminister Carlo Nordio erklärte, dass die neue Bestimmung darauf abzielt, die rechtlichen Lücken zu schließen, die entstehen, wenn neue Technologien ohne einen angemessenen Schutzrahmen zum Einsatz kommen.
Ein wichtiges Kapitel des Dekrets ist der Bildung gewidmet. Bildungsminister Giuseppe Valditara kündigte an, dass künstliche Intelligenz offiziell in die Lehrpläne italienischer Gymnasien aufgenommen wird.
In der Zwischenzeit werden Grundschulen Grundkenntnisse vermitteln, die darauf abzielen, Kinder mit der Sprache und den Konzepten der künstlichen Intelligenz vertraut zu machen. Nach Angaben des Ministers sollen Schüler schon früh an Begriffe wie Algorithmen und die Funktionsweise intelligenter Systeme herangeführt werden.
Valditara betonte, dass junge Menschen über die Risiken im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, der Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Geräte, aber auch über die ethischen Herausforderungen, die diese Technologie mit sich bringt, aufgeklärt werden sollten.
Um das Bildungssystem auf diese Veränderungen vorzubereiten, hat die Regierung 100 Millionen Euro für die Ausbildung und Ausbildung von Lehrkräften bereitgestellt.
Gleichzeitig hat Italien bereits Pilotprojekte in vier Regionen – Kalabrien, Toskana, Latium und Lombardei – gestartet, in denen KI-basierte virtuelle Assistenten eingesetzt werden, um den Unterricht zu personalisieren und die Ergebnisse der Schüler zu verbessern.
Nach Angaben des Bildungsministers sind die ersten Ergebnisse ermutigend. Er erklärte, dass sich die Leistungen der Schüler im Vergleich zu herkömmlichen Lehrmethoden verbessert hätten.
Die Regierung plant, dieses Programm in den kommenden Jahren auszuweiten. Allein in der Region Kampanien werden voraussichtlich rund 20.000 Studierende beteiligt sein.
Der von der italienischen Regierung vorgelegte Plan wird als „360-Grad“-Intervention bezeichnet und umfasst auch die Stärkung naturwissenschaftlicher Kompetenzen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz, die Orientierung junger Menschen an MINT-Zweigen sowie deren Einsatz in Erwachsenenbildungsprogrammen und Berufsbildung.
Nach Angaben der italienischen Behörden besteht das Ziel darin, das Land auf den technologischen Wandel vorzubereiten, den die künstliche Intelligenz mit sich bringt, indem Innovation mit dem Schutz der Bürgerrechte und der Sicherheit kombiniert wird.
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