Roaming wie zu Hause und auf dem Westbalkan

Roaming wie zu Hause und auf dem Westbalkan


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Von Genc Pollo

Tirana, 02. Januar 2026 – Die heutige Entscheidung der Europäischen Union, der Ukraine und Moldawien „Roaming wie zu Hause“ zu gewähren, verdient Lob. Es ist ein praktischer, bürgerorientierter Schritt, der die Kosten sofort senkt, die Konnektivität verbessert und Europa im Alltag greifbar macht.

Dennoch ist die Nichteinbeziehung des Westbalkans in sein Roaming-System auffällig und zunehmend unhaltbar. Die Region hat weniger als die Hälfte der Bevölkerung der Ukraine und liegt geografisch näher am Zentrum Europas. Dennoch bleibt ein den Bürgern des Westbalkans wiederholt gegebenes Versprechen unerfüllt. Warum

Von Premierminister Edi Rama könnte man vielleicht eine Erklärung erwarten, nachdem die Presse mit den Fragen zu den jüngsten Regierungsskandalen fertig ist. Oder von einem Erweiterungskommissar, nachdem üble Äußerungen über „freie und faire Wahlen in Albanien“ ihre Gültigkeit verloren haben. Aber diese Ausflüchte verfehlen den Sinn. Maßnahmen wie normales Roaming sind keine bloßen symbolischen Gesten. Es sind realistische, konkrete Integrationsschritte, die für jeden Bürger von Bedeutung sind.

Im Gegensatz dazu klingen große Zeitpläne wie der Abschluss der Verhandlungskapitel und des Clusters bis 2027 und die EU-Mitgliedschaft bis 2030 beeindruckend, klingen aber hohl. Aus vielen Gründen sind sie unrealistisch. Das wichtigste davon ist das Fortbestehen dessen, was man nur als autoritäres kleptokratisches Regierungsmodell bezeichnen kann, das nicht nur in Albanien, sondern auch unter Führern wie Aleksandar Vučić sichtbar ist. Vor diesem Hintergrund besteht die Gefahr, dass hochtrabende Versprechungen zu einer weiteren Form politischen Lärms werden.

Was der Westbalkan stattdessen braucht, sind erreichbare Schritte mit unmittelbaren positiven Folgen. Neben dem einheitlichen europäischen Zahlungsraum, der endlich minimale Bankgebühren für Zahlungen in der Eurozone einführte, wäre „Roaming wie zu Hause“ ein klares positives Signal. Dies würde die täglichen Kosten für Studenten, Unternehmen, Familien und Reisende senken. Dadurch würde die Region enger in den digitalen Raum Europas eingebunden. Und es würde zeigen, dass Integration nicht nur ein ferner Horizont, sondern gelebte Realität ist.

Wenn die europäische Integration im Westbalkan ihre Glaubwürdigkeit bewahren soll, muss sie nicht nur an den eröffneten Kapiteln oder herausgegebenen Kommuniqués gemessen werden, sondern auch an der Politik, die die Bürger in ihren Taschen und in ihrer täglichen Routine spüren können. Normales Roaming wäre ein bescheidener, aber symbolisch wirkungsvoller Schritt.

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