Der US-Vorschlag für einen EU-Beitritt der Ukraine im Jahr 2027 stieß in Brüssel auf große Skepsis.
Die Europäer fordern, einen komplexen Prozess mit weitreichenden Folgen in vielen Bereichen, von der Rechtsstaatlichkeit bis zur Landwirtschaft, nicht zu überstürzen.
„Im Jahr 2027? Das ist übermorgen!“ war die erste Reaktion eines Beamten der Europäischen Kommission.
Nach Angaben hochrangiger Beamter ist diese Frist im US-Friedensplan zur Beendigung des Krieges zwischen der Ukraine und Russland enthalten. Viele europäische Beamte halten dies jedoch für unrealistisch: Die bisher optimistischsten von ihnen gingen davon aus, dass der Beitritt im Jahr 2030 erfolgen könnte.
Vetoja, nicht Orbán
„Es ist sicher, dass die Amerikaner für uns entscheiden werden“, scherzte ein europäischer Diplomat und bezog sich dabei auf den Beitritt der Ukraine im Januar 2027.
Das Aufnahmeverfahren, das kurz nach der russischen Invasion begann, steckt seit Monaten in einer Sackgasse. Der Grund? Der lange und komplizierte Prozess erfordert in jeder Phase die Einstimmigkeit der 27 Mitgliedstaaten. Doch der ungarische Premierminister Viktor Orban hat beschlossen, es de facto einzufrieren und dabei von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen. Der konservative populistische Führer, der enge Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin pflegt, argumentiert, dass die Aufnahme der Ukraine in die EU die Union „zerstören“ würde.
Ohne das „grüne Licht“ von Budapest sind keine Fortschritte möglich.
Ein möglicher sehr schneller Prozess für den Beitritt der Ukraine (die Verhandlungen begannen offiziell im Juni 2024) wirft sehr spezifische und besonders komplexe Fragen auf. Wie kann sich ein Agrarriese wie die Ukraine integrieren, ohne den europäischen Binnenmarkt völlig zu destabilisieren? Besonders in einer Zeit, in der französische, deutsche und polnische Getreidebauern Kiew aufgrund der Preise, zu denen es seine Produkte bewirbt, häufig unlauteren Wettbewerb vorwerfen.
Wie kann sichergestellt werden, dass es der Ukraine im Kriegszustand gelingt, ihre Institutionen so zu reformieren, dass sie den strengen europäischen Kriterien der Rechtsstaatlichkeit entsprechen?
„Wie kann sich die Ukraine vorbereiten? Sie hat nicht einmal Grenzen“, kommentierte ein europäischer Diplomat mit Blick auf die von Moskau annektierten ukrainischen Gebiete.
Im aktuellen Kontext sei der Beitritt der Ukraine im Januar 2027 „völlig unrealistisch“. Der gesamte Prozess müsste „völlig auf den Kopf gestellt“ und der gesamte Prozess neu gestaltet werden.
Allerdings stellt sich die Frage, ob diese „neue Methode“ auch auf die seit Jahren wartenden Balkanländer (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien und Kosovo) ohne Aussicht auf sofortige Akzeptanz angewendet wird.
Den Rekord für den schnellsten EU-Beitritt hält Finnland: Es dauerte weniger als drei Jahre nach Einreichung seines offiziellen Antrags. Die Türkei hingegen ist seit etwa 30 Jahren offizieller Kandidat, das Verfahren ist jedoch völlig eingefroren.
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